«Ischä» - Produktion von Natureis in Rothenthurm (1/4)

von Albert Marty-Gisler

Rothenthurm war bis ins 20. Jahrhundert hinein landwirtschaftlich geprägt; 1910 waren 60 % der Erwerbstätigen mit der Landwirtschaft beschäftigt. In zwei Nischen fanden manche Rothenthurmer einen lohnenen Nebenverdienst, dem Turpnä (Torfabbau) und Ischä (Natureis herstellen).

 

Vor hundert Jahren war das Natureis das unentbehrliche Kühlmittel. Die grosse Nachfrage nach Eis kam vorwiegend von Schweizer Brauereien - und das waren zu dieser Zeit ca. 530 Betriebe -, obwohl die grossen Brauereien nach 1880 die neu entwickelten Ammoniak-Kompressions- Kältemaschinen zu verwenden begonnen hatten. Das Eis wurde in speziellen Lagerhäusern eingelagert, damit im Sommer das Gastgewerbe, Verkaufsgeschäfte und Spitäler beliefert werden konnten. Die Rothenthurmer Fuhrmannsleute waren bekannt für harte Winterarbeit. Bereits vor 1900 transportierten sie mit Ross und Schlitten Eis vom Klöntalersee in die Depots von Brauereien.

 

Ein Fuhrmann transportiert Natureis

 

Im Dezember 1898 wurde dem Genossenrat der Genossame Rothenthurm ans Herz gelegt, einen Eisweiher in Rothenthurm anzulegen. Ohne grosse Investitionen könnte die Biber im Unterdorf im Winter gestaut werden. Im Frühjahr erfolgte eine Selbstentwässerung, Kulturschaden würde keiner entstehen, da die Streue nach wie vor den gleichen Ertrag abwerfe. Ein weiterer Vorteil sei, dass das Gebiet in der Nähe des Bahnhofes liege. Eine neue Einnahmequelle wäre für die Finanzen der Genossame willkommen. Bereits zu dieser Zeit wurde auf dem kleinen Sagenweiher im Oberdorf von Sägereibesitzer Mathias Merz Natureis gesägt. An der ausserordentlichen Genossengemeinde vom 1. September 1901 wurde das Projekt Eisweiher vorgestellt und diesbezüglich Antrag gestellt. Der Antrag für die Natureisgewinnung in der unteren Rüti wurde von den Genossen einstimmig angenommen.